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Neues Lehrbuch zur Journalistik erschienen

Freitag, 18. Januar 2013 16:44

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Klaus-Dieter Altmeppen von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und ich haben ein neues Lehrbuch zur Journalistik verfasst.

In dem Band, der im Oldenbourg-Verlag erschienen ist, geht es um u.a. um die redaktionelle Organisation, technische Innovationen im Journalismus, das Selbstverständnis der Journalisten, um Ethik und Qualität, Journalismuskulturen und das Verhältnis des Journalismus zur Macht. Da Journalismus nicht in einem leeren Raum operiert, sind weitere Punkte das Publikums des Journalismus, die Einbettung des Journalismus im Medienbetrieb sowie das Verhältnis zur Politik und zur Public Relations.

Klaus-Dieter Altmeppen/Klaus Arnold: Journalistik. Grundlagen eines organisationalen Handlungsfeldes. München: Oldenbourg 2013. 212 S., 24,80 €.

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Nun aber wirklich: Das iPad, der Retter ist da!

Donnerstag, 11. Februar 2010 20:38

Auch wenn ein Verleger von Tausenden von Arbeitsplätzen schwadroniert, Nachrichten auf das iPhone sind vielleicht nicht so die Killerapplikation. Aber wie ist es mit der Zeitung auf dem iPad? Ist das die Rettung? Götz Hamann scheint in der letzten Ausgabe der Zeit davon überzeugt zu sein. Und tatsächlich gibt es gute Argumente dafür, dass es mit dem iPad oder ähnlichen Geräten wieder aufwärts gehen könnte mit dem bezahlten Journalismus: Steve Jobs fährt mit Apple ein System, bei dem für alles bezahlt werden muss – die Abkehr vom Umsonst-Netz. Und tatsächlich – das klappt. Die Jobs-Produkte halten offenbar viele Menschen für so schick, dass sie gerne dafür bezahlen, Content auf ihrem Apple zu haben. Und wenn die neuen iIrgendwasse vielleicht doch nicht so toll sind, sorgt ein lemminghafter Medienhype schon dafür, dass jeder meint, sich jetzt dieses neue iDingsbums zulegen zu müssen. Im Gegensatz zum iPhone ist der Bildschirm des iPad auch groß genug. Immerhin, eine Zeitschrift könnte man da schon ganz gut lesen. Mal vorausgesetzt Designer und Programmierer entwerfen entsprechende an das iPad angepasste grafische Oberflächen, dann würde man da die Zeitung schon irgendwie reinpressen können und wahrscheinlich schaut sie dann sogar ganz gut aus (wird aber wohl nur eine Mini-Tabloid).

Wenn die Papierzeitung irgendwann am Ende ist, könnte es also gut sein, dass wir zeitungsähnliche Inhalte auf einem Gerät lesen, dass so ähnlich aussieht wie das Apple iPad. Naja, vielleicht etwas größer, dünner, leichter … Oder kommt doch die Folienzeitung? Die Folienzeitung, ach ja, schon vor fast 15 Jahren haben meine Studenten Referate darüber gehalten, dass nun ja bald die elektronische Zeitung auf Folie komme und die Papierzeitung ersetze.  Und was ist: Noch immer machen wir uns die Hände am Papier schmutzig. Deshalb denke ich auch nicht, dass Geräte wie das Apple iPad die gedruckte Zeitung so schnell ersetzen werden.

Und zudem: Ein Problem bleibt. Auch wenn die Verlage hier einsteigen und elektronische Versionen für Lesegeräte anbieten, gibt es ja immer noch das Internet. Trotz Apple und seiner Closed-Shop-Strategie, wenn die Menschen nicht ganz dumm sind, werden sie sich überlegen, dass sie Nachrichten weiterhin ganz umsonst im Internet haben können, wozu also für eine entsprechende Applikation auf dem iPad bezahlen – vielleicht weil dann die Inhalte etwas schicker präsentiert werden? Nee – so kann es nicht funktionieren. Es bleibt dabei, dass sich die Zeitungen und alle Anbieter aktueller journalistischer Informationen dann möglichst gemeinsam dazu durchringen müssten, keine oder nur noch beschränkte Umsonst-Angebote im Internet bereit zu halten. Aber dann gäbe es bestimmt jemanden – und das muss nicht die böse ARD sein – der im Netz dennoch Umsonst-Nachrichten anbietet und das mit Werbung finanziert.

Deshalb: Ja, das iPad ist vielleicht nicht schlecht, aber trotzdem: Don´t believe the hype!

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Was gibt es schöneres auf Erden, als Bundeswehrsoldat zu werden …

Mittwoch, 3. Februar 2010 20:47

Es ist sicherlich ganz wunderbar, zur Bundeswehr zu gehen oder auf der Bundeswehruniversität in München zu studieren. Da gibt es phantastische Fächer – u.a. auch irgendwas mit Medien – und sicherlich ganz viele nette Jungs, die sich über jede neue Studentin riesig freuen. Es ist auch nichts Schlechtes daran, wenn eine Zeitung über die Bundeswehruni und ihre phantastischen Leistungen berichtet. Aber es ist einfach nicht in Ordnung, wenn eine sogenannte Qualitätszeitung Schüler eine Seite Jubelartikel über die Bundeswehruni schreiben lässt und diese ganze Aktion von eben dieser Universität gesponsert wird.  Sowas nennt man Public Relations oder Werbung oder Anzeigen, aber die Süddeutsche Zeitung – siehe den letzten Blog-Eintrag – präsentiert uns diese Berichte heute – 4. Februar, Münchner Lokalteil – als redaktionellen Content, als Aktion “Zeitung und Schule”.

Was nun die Schüler von der Städtischen Berufsoberschule Wirtschaft und dem Edith-Stein-Gymnasium antworten, wenn man sie fragt, was denn Journalismus sei? Jaaa, das ist irgendwie so, da kommt jemand, sagt man soll das und das schreiben, und möglichst positiv, dann macht man das und druckt das Logo von dem ab und dann steht das alles in der Zeitung.

Super Idee, liebe Süddeutsche, Nachwuchswerbung und PR-Seite in einem!!! Da sieht man richtig, wie sich der Geschäftsführer auf die Schenkel klopft! PR bezahlt das Schulprojekt – und die Sparkasse und die Bundeswehr freuen sich auch noch.

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Neuer Medienblog und Qualitätszeitung ???

Montag, 1. Februar 2010 16:48

In diesem neuen Blog gibt es regelmäßig Kommentare und Gedanken zum Journalismus und zur Medienwelt. Warum Medienkritik in einem Blog? Weil es nicht gerade leicht ist, Medien und Journalismus in den Medien selbst zu kritisieren. Nicht nur, weil sich die Medien nicht gerne kritisieren lassen, auch einfach deshalb, weil Medienkritik – wenn sie über die Besprechung der letzten “Wetten, dass”-Sendung hinausgeht – beim allgemeinen Publikum oft nur auf wenig Interesse stößt. Medien und Journalismus sind billig, ja zum Teil sogar umsonst, somit lohnt es sich kaum, über Fernsehen oder Zeitungen viele Gedanken zu verschwenden. Oder: Ist was schlecht, schaltet man halt ab.

Aber Medien und vor allem der Journalismus in den Medien sind wichtig für unsere – ja doch, pluralistische und demokratische Gesellschaft. Aber da es den Medien nicht gut geht – Finanzkrise – geht es auch dem Journalismus immer schlechter.

So ein Beispiel von wirklich miesem angesichts der Krise kreativem Journalismus lieferte im Dezember letzten Jahres die hoch angesehene Süddeutsche Zeitung aus München. Ich schrieb damals dazu einen Leserbrief, der aber nicht abgedruckt wurde. Vermutlich hatte die Zeitung viele bessere Leserbriefe zu viel, viel wichtigeren Themen. Aber im Internet ist der Platz ja unbegrenzt, deshalb hier der Leserbrief, der nicht in der Süddeutschen Zeitung stand:

Zur Ausgabe der Süddeutschen Zeitung v. 11.12.2009, München-Teil, S. 54, Schule & Zeitung, “Schüler und Schülerinnen des P-Seminars “Journalismus” am Gisela-Gymnasium recherchieren bei der Stadtsparkasse”.

Es ist an sich sehr lobenswert, dass die Süddeutsche Zeitung wie viele Verlage in Deutschland Schulprojekte durchführt und versucht, junge Menschen für die Zeitung und einen anspruchsvollen Informations-Journalismus zu begeistern. Dies ist auch dringend nötig, denn Jugendliche interessieren sich immer weniger für Zeitungen und Journalismus. Nur scheint da in letzter Zeit einiges durcheinander geraten zu sein: So arbeitet die Süddeutsche Zeitung bei ihren Schulprojekten mit anderen Einrichtungen zusammen, zuletzt mit der Münchner Stadtsparkasse. Das Ergebnis dieser Kooperation: Ein Seite Public Relations und Werbung für diese Bank.
Damit überschreitet die Süddeutsche Zeitung gleich zwei Grenzen: Einerseits präsentiert sie eine Seite Öffentlichkeitsarbeit, die direkt aus einer Werbezeitschrift der Sparkasse entsprungen zu sein scheint, als redaktionellen Inhalt. Und andererseits bringt sie den jungen Menschen nicht unabhängigen und kritischen Journalismus nahe, sondern zeigt ihnen, dass Journalisten auch nichts anderes machen als die Öffentlichkeitsarbeiter bei Unternehmen und Organisationen.
Da die Jugendlichen sicherlich nicht dumm sind, werden sie also aus diesem Schulprojekt mitnehmen: Eine Zeitung ist so ziemlich das Gleiche wie eine Firmenwebsite oder eine Kundenzeitschrift. Und sie werden sich sagen: Für solche Informationen soll man Geld bezahlen? Das gibt es doch überall im Unmengen umsonst! Somit werden die Jugendlichen nicht wie erhofft zu zukünftigen Abonnenten, vielmehr werden sie lernen, den Journalismus gering zu schätzen und sich ihre Informationen aus anderen Quellen zu holen, zum Beispiel aus den sozialen Netzwerken im Internet. Mit solchen PR-Schulprojekten schaufeln sich die Zeitungen offensichtlich ihr eigenes Grab.

Eine Kollegin berichtete mir, dass dies bei vielen Zeitungen gängige Praxis ist. Wer kennt weitere Beispiele?

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Klaus Arnold