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Neuer Medienblog und Qualitätszeitung ???

Montag, 1. Februar 2010 16:48

In diesem neuen Blog gibt es regelmäßig Kommentare und Gedanken zum Journalismus und zur Medienwelt. Warum Medienkritik in einem Blog? Weil es nicht gerade leicht ist, Medien und Journalismus in den Medien selbst zu kritisieren. Nicht nur, weil sich die Medien nicht gerne kritisieren lassen, auch einfach deshalb, weil Medienkritik – wenn sie über die Besprechung der letzten “Wetten, dass”-Sendung hinausgeht – beim allgemeinen Publikum oft nur auf wenig Interesse stößt. Medien und Journalismus sind billig, ja zum Teil sogar umsonst, somit lohnt es sich kaum, über Fernsehen oder Zeitungen viele Gedanken zu verschwenden. Oder: Ist was schlecht, schaltet man halt ab.

Aber Medien und vor allem der Journalismus in den Medien sind wichtig für unsere – ja doch, pluralistische und demokratische Gesellschaft. Aber da es den Medien nicht gut geht – Finanzkrise – geht es auch dem Journalismus immer schlechter.

So ein Beispiel von wirklich miesem angesichts der Krise kreativem Journalismus lieferte im Dezember letzten Jahres die hoch angesehene Süddeutsche Zeitung aus München. Ich schrieb damals dazu einen Leserbrief, der aber nicht abgedruckt wurde. Vermutlich hatte die Zeitung viele bessere Leserbriefe zu viel, viel wichtigeren Themen. Aber im Internet ist der Platz ja unbegrenzt, deshalb hier der Leserbrief, der nicht in der Süddeutschen Zeitung stand:

Zur Ausgabe der Süddeutschen Zeitung v. 11.12.2009, München-Teil, S. 54, Schule & Zeitung, “Schüler und Schülerinnen des P-Seminars “Journalismus” am Gisela-Gymnasium recherchieren bei der Stadtsparkasse”.

Es ist an sich sehr lobenswert, dass die Süddeutsche Zeitung wie viele Verlage in Deutschland Schulprojekte durchführt und versucht, junge Menschen für die Zeitung und einen anspruchsvollen Informations-Journalismus zu begeistern. Dies ist auch dringend nötig, denn Jugendliche interessieren sich immer weniger für Zeitungen und Journalismus. Nur scheint da in letzter Zeit einiges durcheinander geraten zu sein: So arbeitet die Süddeutsche Zeitung bei ihren Schulprojekten mit anderen Einrichtungen zusammen, zuletzt mit der Münchner Stadtsparkasse. Das Ergebnis dieser Kooperation: Ein Seite Public Relations und Werbung für diese Bank.
Damit überschreitet die Süddeutsche Zeitung gleich zwei Grenzen: Einerseits präsentiert sie eine Seite Öffentlichkeitsarbeit, die direkt aus einer Werbezeitschrift der Sparkasse entsprungen zu sein scheint, als redaktionellen Inhalt. Und andererseits bringt sie den jungen Menschen nicht unabhängigen und kritischen Journalismus nahe, sondern zeigt ihnen, dass Journalisten auch nichts anderes machen als die Öffentlichkeitsarbeiter bei Unternehmen und Organisationen.
Da die Jugendlichen sicherlich nicht dumm sind, werden sie also aus diesem Schulprojekt mitnehmen: Eine Zeitung ist so ziemlich das Gleiche wie eine Firmenwebsite oder eine Kundenzeitschrift. Und sie werden sich sagen: Für solche Informationen soll man Geld bezahlen? Das gibt es doch überall im Unmengen umsonst! Somit werden die Jugendlichen nicht wie erhofft zu zukünftigen Abonnenten, vielmehr werden sie lernen, den Journalismus gering zu schätzen und sich ihre Informationen aus anderen Quellen zu holen, zum Beispiel aus den sozialen Netzwerken im Internet. Mit solchen PR-Schulprojekten schaufeln sich die Zeitungen offensichtlich ihr eigenes Grab.

Eine Kollegin berichtete mir, dass dies bei vielen Zeitungen gängige Praxis ist. Wer kennt weitere Beispiele?

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Klaus Arnold