Beitrags-Archiv für die Kategory '2011'

Guttenberg – ein Medienphänomen

Dienstag, 1. März 2011 10:27

Klar, die Doktorarbeit des Verteidigungsministers ist offensichtlich ein gezielt zusammengestelltes Plagiat. Und auch klar: Es ist kaum tragbar, dass er weiter Minister bleibt. Ein Rücktritt würde ja nicht bedeuten, dass es für immer abtreten muss. Er könnte sich eine zeitlang zurückziehen und zeigen, dass er seine Fehler einsieht. In ein paar Jahren erlebt er dann möglicherweise – wenn er wirklich so gut ist - ein Comeback in einem Spitzenamt. Eine zweite Chance hat jeder verdient.

Aber mir geht es um etwas anderes: Wie kann es sein, dass die Medien – mit der Ausnahe von Bild – einhellig gegen den Minister schießen, er aber in der Bevölkerung nach wie vor ziemlich beliebt ist. Gut, kann sich vielleicht in den nächsten Wochen ändern. Durch das massive Framing der Medien gibt es vielleicht einen entsprechenden Effekt. Auch die Noelle-Neumannsche Schweigespirale könnte hier einsetzen. Aber im Moment führt er die Beliebheitsskalen immer noch an.

Man kann das damit erklären, dass die “einfachen” Menschen die Bedeutung von Fußnoten nichts verstehen oder dass sie die Regeln des Wissenschaftsbetriebs nicht kennen. Vielleicht – so ein weiteres Erklärungsmuster – liegt es auch daran, dass Wissenschaftler, Intellektuelle und ganz besonders Journalisten in der Bevölkerung unbeliebt sind. Und unser Karl hat es nun zusammen mit der Bild-Zeitung diesen Fußnotenheinis und arroganten Schlauquatschern mal so richtig gezeigt (”Scheiß auf den Doktor!”).

Das mag alles eine Rolle spielen. Viel entscheidender ist jedoch, dass die Medien – und hier nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Bild oder Focus – den Minister über Monate und Jahre nach oben geschrieben haben (dazu schrieb bei mir Petra Hemmelmann eine Diplomarbeit, eine Kurzfassung ist als taz-Artikel erschienen). Stets gab es tolle Photos vom schneidigen, schönen und schicken Minister in Afghanistan, stets wurde betont, wie “anders” er Politik mache, was er für gute Manieren habe, dass er so klug, so intelligent etc. sei. Dazu kommen Schloss, blonde Superfrau und einfach sein guter Stil. Sicherlich hat Guttenberg dies selbst unterstützt (zur Entspannung lese ich ein wenig Platon im Original), seine Fähigkeiten scheinen dann auch vor allem im Bereich der Public Relations zu liegen. Vielleicht sollte er eine PR-Agentur gründen? Aber die Medien sind auch auf dieses Spiel eingegangen. Warum? Die Erzählung vom Aufstieg eines Helden verkauft sich gut (unser deutscher Kennedy). Und wenn der Held fällt, verkauft sie sich gleich nochmal gut. Und – so lange Zeit mein Verdacht – vielleicht war auch für viele Journalisten Guttenberg eine Person, in die sie private Wunschvorstellungen projizierten: Wer will nicht so sein wie der junge Held: Hübsch, reich, geradeheraus, gutaussehend, stilvoll und und und.

Aber leider gibt es keine Supermänner und keine Superfrauen. Wir müssen uns alle mit unseren oft eher bescheidenen Mitteln bemühen und vielleicht gelingt dann ab und zu was Gutes.

Thema: 2011, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Korruption aus dem Nähkästchen

Dienstag, 1. März 2011 9:44

Duz_logo

Ich bin korrupt, na und? Alle meine Geständnisse in der März Ausgabe des Hochschulmagazis duz. Und bitte: Der Schlussscherz mit dem Mobile war nicht ernst gemeint. Bei dem Artikel handelt es sich um ein “glossierendes Essay”. Demgemäß ist nicht alles ganz wahr oder vielleicht doch? Auf alle Fälle vielen Dank an den Kollegen (der anonym bleiben muss), der mit so schönen Korruptions-Erlebnissen aufwarten konnte.

Thema: 2011, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Neuerscheinung: Geschichtsjournalismus – Zwischen Information und Inszenierung

Dienstag, 11. Januar 2011 12:51

GeschichtsjournalismusKlaus Arnold/Walter Hömberg/Susanne Kinnebrock (Hrsg.): Geschichtsjournalismus. Zwischen Information und Inszenierung. Münster: Lit-Verlag 2010, 320 S., 29,90 €.

Geschichte kann ziemlich spannend und unterhaltsam sein. Das haben auch Journalisten, Verleger und Programmmacher erkannt. Immer häufiger berichten die Medien nicht nur über die Gegenwart, sondern thematisieren auch die Vergangenheit. So gewinnt eine neue Form von Journalismus an Konturen: der Geschichtsjournalismus. In dem interdisziplinär ausgerichteten Sammelband werden die verschiedenen Aspekte des Geschichtsjournalismus analysiert: Was ist Geschichtsjournalismus, und wie hat er sich entwickelt? Was sind seine Qualitäten, und wie steht es um das Verhältnis zur Geschichtswissenschaft? Welche redaktionellen Strukturen haben sich herausgebildet? Wie wird Geschichte populär vermittelt, und welche Funktion hat der Gedenktagsjournalismus? Die Beiträge machen deutlich, dass Journalismus nicht nur unser Wissen über die Gegenwart prägt, sondern auch unsere Vorstellungen über die Vergangenheit entscheidend beeinflusst.

Dieser Band geht auf eine Fachtagung zurück, die 2009 in Eichstätt stattfand. Sie wurde von der Fachgruppe Kommunikationgeschichte in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft und der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt organisiert. Der Band ist bei amazon oder direkt beim Lit-Verlag erhältlich.

Thema: 2011, Allgemein | Kommentare (1) | Autor: Klaus Arnold