Beitrags-Archiv für die Kategory '2010'

Neuerscheinung zum Thema Medialisierung

Freitag, 26. November 2010 16:20

MedialisierungKlaus Arnold/Christoph Classen/Susanne Kinnebrock/Edgar Lersch/Hans-Ulrich Wagner (Hrsg.): Von der Politisierung der Medien zur Medialisierung des Politischen? Zum Verhältnis von Medien, Öffentlichkeit und Politik im 20. Jahrhundert. Leizig: Universitätsverlag 2010, 471 Seiten, 32 €.

Lange Zeit wurde die Diskussion um das Verhältnis von Medien und Politik mit Blick auf die Politisierung der Medien, ihre vermeintlich erfolgreiche politische Instrumentalisierung und die damit einhergehenden Gefahren geführt – eine Perspektive, die vor dem Hintergrund der Diktaturerfahrungen im 20. Jahrhundert nahe lag. Mittlerweile hat sich dies jedoch verändert. Das Konzept der „Medialisierung“ betont umgekehrt den Einfluss der Medien auf den Wandel von Politik, die grundsätzliche Prägung und Verwandlung des Politischen durch Massenmedien.
Dieses Buch verfolgt das Ziel, anhand von historischen Fallstudien die vielfältigen Interdependenzen, Dynamiken und symbiotischen Beziehungen im Verhältnis von Medien und Politik seit dem Aufkommen der modernen Massenmedien näher zu beschreiben. Der Blick auf das gesamte 20. Jahrhundert zeigt, dass die zunehmende Präsenz der Massenmedien keineswegs erst im Fernseh- und Internetzeitalter zur Transformation des Politischen beigetragen hat. Die Langzeitanalyse der Koorientierung von Politik und Medien sowie des Ineinandergreifens von Politisierungs- und Medialisierungsprozessen relativiert Diagnosen, die aus der Gegenwartsperspektive heraus lediglich aktuelle Medialisierungsprozesse in den Blick nehmen und einseitig deren problematische Aspekte betonen.

Der Band geht auf eine Fachtagung im Berliner Bundestag und im ARD-Hauptstadtstudio zurück. Er ist u.a. erhältlich bei Amazon oder direkt beim Verlag.

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Professur an der Universität Trier

Freitag, 26. November 2010 15:58

Am 1. Oktober 2010 bin ich zum Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an die Universität Trier berufen worden. Vorher habe ich diese Stelle bereits ein halbes Jahr vertreten. Somit haben sich nun auch meine Kontaktdaten verändert.

In Trier möchte ich meine bisherigen Schwerpunkte weiter ausbauen, aber auch neue Themenbereiche stärker betonen. Im Mittelpunkt werden in den nächsten Jahren stehen: Forschungen zu Innovationen und zur Zukunft des Journalismus, zu den Anforderungen einer demokratischen Gesellschaft an die Medien, zum Themenkomplex Jugend-Medien-Politik sowie zur europäischen Mediengeschichte.

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Mixas Welt

Freitag, 19. Februar 2010 19:59

Ist der Sex in den Medien daran schuld, dass Kinder missbraucht werden? Das meint zumindest der Augsburger Bischof Walter Mixa. In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen sagte er,  dass die “sogenannte sexuelle Revolution”  mitschuldig daran sei, wenn sexueller Kindesmissbrauch in der Gesellschaft verbreitet sei und weiter: “Wir haben in den letzten Jahrzehnten gerade in den Medien eine zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit erlebt, die auch abnorme sexuelle Neigungen eher fördert als begrenzt.”  Unterstützt wird er dabei von der bayerischen Justizministerin Beate Merk (CSU), die sagte, selbstverständlich habe die Freizügigkeit dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu senken. Ist das wirklich so? Haben die sexuelle Aufklärung und die Freizügigkeit in den Medien dazu geführt, dass immer mehr Kinder missbraucht werden? Werden überhaupt immer mehr Kinder sexuell missbraucht?

Der Bischof und die Ministerin sind hier wohl zu “Medienopfern” geworden: In den Medien wird seit einigen Jahren immer mehr und immer spektakulärer über sexuellen Missbrauch von Kindern in der Gesellschaft und nun auch in der Kirche berichtet. Und im Gegensatz zu früher steigen die “seriösen” Medien ebenfalls groß ein. Das heißt aber natürlich nicht einfach, dass sexueller Kindesmissbrauch stetig zunehmen würde und eine Art neues Phänomen sei. Das heißt zunächst, dass für die Medien deratige Themen im scharfen Konkurrenzkampf wichtiger geworden sind und stärker betont werden. Weiter hat wohl die öffentliche Thematisierung von Sexualität und deren Missbrauch dazu geführt, dass immer mehr Opfer ihre Fälle bekannt machen und Anzeige erstatten – somit die Dunkelziffer absinkt und sich sexueller Missbrauch auch in geschlossenen Welten wie der katholischen Kirche nur noch schwer verschweigen lässt.

Der sexuelle Missbrauch von Kindern hat – auch wenn die Medienberichterstattung eher das Gegenteil nahe legt – in den letzten Jahrzehnten aller Wahrscheinlichkeit nach eher ab- als zugenommen. So ging die Zahl der bei der Polizei angezeigten Fälle von Mitte der 1960er bis in die 1980er Jahre zurück. Danach stieg sie zwar an, bezieht man jedoch soziodemographische Entwicklungen mit ein – es gibt immer weniger Kinder – ist sie weiterhin rückläufig. Natürlich gibt und gab es hier eine enorme Dunkelziffer – darin sind sich alle Experten einig (vgl. dazu zum Beispiel einen im Internet zugängigen Aufsatz des Hamburger Wissenschaftlers Dirk Bange im Sammelband “Sexueller Missbrauch” hrsg. von Wilhelm Körner/Göttingen, Bern 2004). Geht man davon aus, dass es in den letzten Jahrzehnten aufgrund der öffentlichen Thematisierung von Sexualität und ihres Missbrauchs einfacher geworden ist, derartige Fälle zur Anzeige zu bringen, dürfte aber auch die Dunkelziffer kleiner geworden sein. Das verweist wiederum darauf, dass die Zahl der sexuellen Missbräuche von Kindern insgesamt zurückgeht.

Diese Entwicklung dürfte auch für die katholische Kirche gelten. Somit haben die “sexuelle Revolution” und die Medien wohl nicht dazu beigetragen, dass sexueller Kindesmissbrauch verbreitet ist, da es in den letzten Jahrzehnten keine ansteigende Tendenz in diesem Bereich gegeben hat. Was es tatsächlich gibt, ist ein Anstieg von sexueller Gewalt gegenüber Minderjährigen. Aber dafür dürften die Ursachen – wie immer – komplex sein und nicht auf die “sexuelle Revolution” zurückzuführen zu sein.

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Nun aber wirklich: Das iPad, der Retter ist da!

Donnerstag, 11. Februar 2010 20:38

Auch wenn ein Verleger von Tausenden von Arbeitsplätzen schwadroniert, Nachrichten auf das iPhone sind vielleicht nicht so die Killerapplikation. Aber wie ist es mit der Zeitung auf dem iPad? Ist das die Rettung? Götz Hamann scheint in der letzten Ausgabe der Zeit davon überzeugt zu sein. Und tatsächlich gibt es gute Argumente dafür, dass es mit dem iPad oder ähnlichen Geräten wieder aufwärts gehen könnte mit dem bezahlten Journalismus: Steve Jobs fährt mit Apple ein System, bei dem für alles bezahlt werden muss – die Abkehr vom Umsonst-Netz. Und tatsächlich – das klappt. Die Jobs-Produkte halten offenbar viele Menschen für so schick, dass sie gerne dafür bezahlen, Content auf ihrem Apple zu haben. Und wenn die neuen iIrgendwasse vielleicht doch nicht so toll sind, sorgt ein lemminghafter Medienhype schon dafür, dass jeder meint, sich jetzt dieses neue iDingsbums zulegen zu müssen. Im Gegensatz zum iPhone ist der Bildschirm des iPad auch groß genug. Immerhin, eine Zeitschrift könnte man da schon ganz gut lesen. Mal vorausgesetzt Designer und Programmierer entwerfen entsprechende an das iPad angepasste grafische Oberflächen, dann würde man da die Zeitung schon irgendwie reinpressen können und wahrscheinlich schaut sie dann sogar ganz gut aus (wird aber wohl nur eine Mini-Tabloid).

Wenn die Papierzeitung irgendwann am Ende ist, könnte es also gut sein, dass wir zeitungsähnliche Inhalte auf einem Gerät lesen, dass so ähnlich aussieht wie das Apple iPad. Naja, vielleicht etwas größer, dünner, leichter … Oder kommt doch die Folienzeitung? Die Folienzeitung, ach ja, schon vor fast 15 Jahren haben meine Studenten Referate darüber gehalten, dass nun ja bald die elektronische Zeitung auf Folie komme und die Papierzeitung ersetze.  Und was ist: Noch immer machen wir uns die Hände am Papier schmutzig. Deshalb denke ich auch nicht, dass Geräte wie das Apple iPad die gedruckte Zeitung so schnell ersetzen werden.

Und zudem: Ein Problem bleibt. Auch wenn die Verlage hier einsteigen und elektronische Versionen für Lesegeräte anbieten, gibt es ja immer noch das Internet. Trotz Apple und seiner Closed-Shop-Strategie, wenn die Menschen nicht ganz dumm sind, werden sie sich überlegen, dass sie Nachrichten weiterhin ganz umsonst im Internet haben können, wozu also für eine entsprechende Applikation auf dem iPad bezahlen – vielleicht weil dann die Inhalte etwas schicker präsentiert werden? Nee – so kann es nicht funktionieren. Es bleibt dabei, dass sich die Zeitungen und alle Anbieter aktueller journalistischer Informationen dann möglichst gemeinsam dazu durchringen müssten, keine oder nur noch beschränkte Umsonst-Angebote im Internet bereit zu halten. Aber dann gäbe es bestimmt jemanden – und das muss nicht die böse ARD sein – der im Netz dennoch Umsonst-Nachrichten anbietet und das mit Werbung finanziert.

Deshalb: Ja, das iPad ist vielleicht nicht schlecht, aber trotzdem: Don´t believe the hype!

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold

Die “Apps”, die Retter sind da!

Mittwoch, 10. Februar 2010 20:13

Hey, ihr armen Zeitungsverlage – ihr müsst nicht mehr arm sein, denn die Apps sind hier! Keine Frage, die iPhone-Apps werden die Zeitungen retten! Denn wer will nicht spannende Schlagzeilen von Welt, Bild, WAZ oder Süddeutscher auf seinem Handy haben. Da gibt es bestimmte jede Menge Super-Exklusiv-Informationen, die sonst absolut niemand hat, lange, interessante Hintergrundanalysen und toll geschriebene Reportagen! Genau das, was man gerne auf dem Großbildschirm seines iPhone liest:  Gute, lange Geschichten.

Das mit den Apps wird sicherlich ein Riesenerfolg. Mindestens so ein Riesenerfolg wie das E-Paper im pdf-Format! Auch da haben die Verlage mit den Massen von Abonnenten ja Geld wie blöd gemacht.  Denn jetzt haben die vielen, vielen Newsjunkies in unserem Land die spannenden Infos, die das Radio, das Fernsehen und das Internet rund um die Uhr bereit halten auch noch auf ihrer Touchscreen, überall und mobil – phantastisch, unglaublich! Eine Killerapplikation. Wenn nur nicht, wenn  nur nicht die böse, böse alte Tante ARD wäre, die Nachrichten-Apps auch ganz umsonst anbieten will. Böse, böse ARD – böse alte Hexe. Tausende von Arbeitsplätzen wird das bei den Verlagen kosten – so der Vorstandschef von Springer, Mathias Döpfner. Ja – und das nur, weil ein übergewichtiger, überbezahlter und übelgelaunter ARD-Beamter nun bald jeden Tag schnell ein paar dpa-Tickermeldungen kopiert und in das Apps-Programm rüberzieht.  Aus ist es mit dem kreativen neuen Apps-Journalimus. Und Zeitungen wie Bild werden nicht mehr so wertvollen, demokatiefördernden Qualitäts-Content für das iPhone anbieten können wie das interaktive Bild-Girl.

Thema: 2010, Allgemein | Kommentare (0) | Autor: Klaus Arnold